Wer mehr über die Mentalität der Japaner erfahren will und sich für den Ursprung vieler ihrer Verhaltensweisen interssiert sollte das Buch" Tochter der Samurai", von Etsu Inagaki Sugimoto lesen.
Es handelt von Etsu, einem jungen Mädchen, das seiner Heirat wegen von Japan nach Amerika umsiedelt. Sie ist die Tochter eines hochrangigen Samurai und hat deswegen eine dementsprechend traditionelle Erziehung genossen, welche ihr das Leben in den USA mit den anderen Sitten und Gebräuchen sehr wunderlich erscheinen lässt. Sie erzählt von ihrer Kindheit in Echigo/Nordjapan, vom japanischen Leben, dem Rangsystem und speziell auch von der Rolle der japanischen Frau. Sie schildert den strengen Ehrenkodex der Samuraifamilien und schafft es diese fremden Themen für uns Westeler sanft verständlich zu machen- ganz in der Art der japanischen Höflichkeit.
Das Buch ist sehr lehrreich für alle Japan-interessierte, schon weil es die japanische Etikette und die Verhaltensmuster durch die lange Samurai-Tradition erklärt und sie mit den westlichen Verhältnissen vergleicht. So schreibt sie zum Beispiel über das Gespräch mit einer amerikanischen Dame, die sie fragte ob es wahr sei, dass man sich in Japan nicht küsse. Die Erzählerin erklärt der Dame, dass man sich verbeuge und dies die Form ist herzliche Empfindungen auszudrücken. Die Dame fragt darauf entgeistert ob ihre Mutter sie nicht einmal zum Abschied geküsst habe als sie nach Amerika gereist sei. Als die Erzählerin erwiedert ihre Mutter habe sich nur verbeugt und sehr sanft gesagt: "Glückliche Reise sei dir beschert, meine Tochter." , wird durch das Unverständnis der amerikanischen Dame gleichzeitig der große Unteschied in der Mentalität zwischen Ost und West deutlich. Daraufhin berichtet die Erzählerin über die Bedeutung der Verneigung in Japan und auch über den Umstand, dass die Japaner ihre Gefühle nicht offen zeigen, sondern sie durch Gesten auszudrücken versuchen um ihren Gegenüber nicht in Verlegenheit zu bringen und die allgemein vorherrschende Harmonie der Etikette nicht zu verletzen. Wie sie es ausdrückt:"Jeder Gefühltsausdruck liegt in Ketten, -aus freien Stücken, mit den Fesseln der Höflichkeit. Ein lustiges Mädchen lacht- hinter ihrem vorgehaltenen Ärmel. Ein Kind schluckt seine Tränen hinunter und schluchzt: Ich weine nicht. Eine von Schmerz zerissene Mutter lächelt , wenn sie dir sagt, dass ihr Kind stirbt. Ein bekümmertes Dienstmädchen wird kichern wenn sie gesteht, dass sie ein kostbares Stück Porzellan zerbrochen hat. Das ist höchst irrgeführend für einen Fremden, zeigt aber das Bestreben, bescheiden im Hintergrund zu bleiben."
Die junge Frau Etsu fungiert also als Mittlerin zwischen diesen beiden Kulturen wie den Ländern USA und Japan. So wie sie erst lernen muss sich in der westlichen Welt zurechtzufinden, lernt der Leser gleichzeit über die Kultur Japnas mit ihrer schweigenden Geduld und der großen Höflichkeit, dem großen Kunstverständnis und Harmoniebedürfnis, sowie aber auch über festgefahrene Traditionen mit einengende Regeln und dem Mangel sich nicht individuell entfalten zu können ohne die Familie oder sogar das ganze Land in Schande zu bringen.
Auf jeden Fall ist es sehr lesenswert und durch seine autentische Schreibweise, welche zeigt das sie nur von einer echten Japnaerin stammen kann ein echtes Erlebnis für alle Japanliebhaber.
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